East Side Gallery – „ist Kultur denn jarnischt mehr wert?!“

Am Donnerstagnachmittag wurde darüber berichtet, dass mehrere Meter der denkmalgeschützten East Side Gallery, zum Teil abgetragen und versetzt wieder aufgebaut werden sollen, zum Teil aber auch komplett abgerissen werden. Der Grund? Luxuswohnungen sollen entstehen und die Eigentümer benötigen einen direkten Durchgang. Das Bündnis East Side Gallery initiierte auf der Plattform Change.org daraufhin eine Petition, mit der Forderung: „Herr Wowereit: East Side Gallery retten! Keine Luxuswohnbebauung auf dem ehemaligen Todesstreifen“, die bis zum Folgetag von mehr als 22 Tausend Menschen unterschrieben wurde. Zudem riefen sie, sowie die Initiative Mediaspree, dazu auf, eine Menschenkette an der East Side Gallery zu bilden, um die für den nächsten Tag angekündigten Baumaßnahmen zu behindern, sowie die Mauer und ihre Kunstwerke zu beschützen.

Gesagt Getan
eastsidegallery
Punkt 9 Uhr war ich an der East Side Gallery. Allerdings war eine Menschenkette nicht vorhanden und auch nicht möglich. In der Mauer klaffte bereits ein Loch, ein ca. 40 cm breites Mauerstück fehlte. An dem nächsten, ebenso breiten Abschnitt wurde gerade der Kran befestigt. Vor der Mauer, ein riesen Polizeiaufgebot. Und die Demonstranten? Die bis dato ca. 100 Anwesenden standen auf der anderen Seite der viel befahrenen Mühlenstraße, hinter einem Absperrband. Davor, wieder Polizisten. Und schon gingen die Sägegeräusche los. Die ersten Protestrufe von uns Demonstranten begannen, waren aber sicher über die Straße kaum zu hören. Kurz darauf, der erste Durchbruchversuch, um zu der Mauer zu gelangen, die wir beschützen wollten. Der zweite Versuch, kurze Zeit später (9:45 Uhr), gelang. Derweilen war die Hälfte des zweiten Mauerfragments abgetrennt worden.

Direkt vor der East Side Gallery, bzw. vor den Polizisten, wurden unsere Protestrufe gehört. Rufe wie „haut ab“, „die Mauer bleibt stehen“ oder „schämt euch“ wurden immer lauter. Kurz danach waren keine „Baumaßnahmen“ an der East Side Gallery mehr sichtbar. Zu dem kamen immer mehr Demonstranten. Sogar ein Stück Mauer wurde von einem Demonstrant an die East Side Gallery geschoben, damit das Loch gestopft werden kann.

Ein erster kleiner Erfolg?

Immer wieder wurden Argumente genannt, wieso die Menschen gegen den Abriss bzw. die Teilversetzung der East Side Gallery demonstrierten:

  • „Die Touristen kommen nach Berlin, um sich das Brandenburger Tor und die Berliner Mauer anzusehen und so, unsere Geschichte ein Stück weit zu verstehen.“
  • „Die East Side Gallery ist das größte zusammenhängende Kulturobjekt in Berlin, auf denen sich 21 Künstler aus verschiedenen Ländern verewigten. Zudem wurde dieses Kunststück vor zwei Jahren restauriert und von Herrn Wowereit als wichtiges Kulturgut benannt.“
  • „Die Mauer ist ein Stück Geschichte von Berlin und wurde unter Denkmalsschutz gestellt.“
  • 10:30 Uhr dann die Durchsage der Polizeiverstärkung, wir sollen die Straße räumen und wieder auf die andere Seite zurückgehen, um den Verkehr nicht zu behindern. „Notfalls werden wir auch weggetragen“. Doch wir rückten kein Stück und als Antwort auf die Forderung der Polizei wurde das Grundgesetz von allen anwesenden Demonstranten zitiert:

    Art. 8 (1) GG: „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. WIR SIND EINE FRIEDLICHE VERSAMMLUNG“

    Die Protestrufe wurden noch lauter und die Polizei fing an Absperrgitter vor die Mauer zu stellen. Dabei gab es kleinere Rangeleien mit den Demonstranten, die im Weg standen. 11:15 Uhr dann, die erste Durchsage der Berliner Polizei: „Die Baumaßnahmen werden umgehend gestoppt.“ Kurz darauf nochmal eine Durchsage, dass die Baumaßnahmen für den heutigen Tag (01.03.2013) eingestellt werden. Jubelrufe auf unserer Seite und die Forderung an die Polizei, sie solle sich zuerst zurückziehen. Dieser Forderung kamen die Polizisten, etwa einer halben Stunde später, nach.

    In den Medien wurde umfassend, auch über die Landesgrenze hinaus, über die Baumaßnahmen, sowie die Empörung der Berliner berichtet. Weiterhin wurde erneut zu einer Protestkundgebung („Wall Parade“), am Sonntag, um 14 Uhr, an der East Side Gallery, aufgerufen.[1] Die Zahl der Unterschriften von der Petition steigt stetig (am Nachmittag des 02.03.2013 bereits über 40 Tausend). Laut Bauherrn werden die Baumaßnahmen am Montag, den 04.03.2013, weitergehen. Ich werde am Sonntag bei der Kundgebung anwesend sein und auch ab Montag weiterhin die denkmalgeschützte East Side Gallery beschützen.

    Jana

    Hier noch zwei interessante Links zum Thema #EastSideGallery

    N-TV: East Side Gallery bekommt Lücken
    [1] change.org: Herr Wowereit: East Side Gallery retten! Keine Luxuswohnbebauung auf dem ehemaligen Todesstreifen

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