Weihnachtsmann darf nicht zu Flüchtlingen

Am 16. 12. 2014 hatten sich MitarbeiterInnen des Oranienburger Generalanzeigers mit UnterstützerInnen von Flüchtlingen verabredet und wollten über 200 Geschenke, die von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt worden waren, im Flüchtlingsheim Stolpe-Süd bei Hennigsdorf übergeben. Das gelang aber nur zum Teil, da Verantwortliche der Landkreisverwaltung unerwartet ein Besuchsverbot verhängten.

Merkwürdigerweise haben lokale Print-Ausgaben der Märkischen Zeitung, beispielsweise der Oranienburger Generalanzeiger und die Gransee-Zeitung, am 18. 12. zwar ausführlich über die Geschenkverteilungen vor dem Abbruch durch die Landkreisverwaltung berichtet, aber mit keinem Wort den Abbruch erwähnt, obwohl deren MitarbeiterInnen vor Ort waren. Die Öffentlichkeit hätte von dem Eingreifen der Landkreisverwaltung vielleicht nichts erfahren, wenn nicht der Flüchtlingsrat Brandenburg gemeinsam mit der Initiative Willkommen in Oberhavel und dem Hennigsdorfer Ratschlag eine Pressemitteilung herausgegeben hätte, die dann von diversen Medien aufgegriffen wurde, beispielsweise Märkische Allgemeine Zeitung, Junge Welt, Berliner Morgenpost, Neues Deutschland und RBB.

Die Darstellung des Landkreises, die von manchen Medien dargestellt wurde, klingt jedenfalls nicht überzeugend. Argumente des Landkreises wie „In den Unterkünften selbst gibt es gar keine Räumlichkeiten, die für eine so große Zahl von Menschen geeignet wären“ oder dass die Sicherheitsvorkehrungen im Falle von Feuer unzureichend wären erwecken den Eindruck, dass es sich um einen großen Besucherandrang gehandelt hätte. Teilnehmerinnen vor Ort berichten jedoch, dass es sich nur um maximal 4 MitarbeiterInnen der Zeitung und 8 UnterstützerInnen der Initiativen Willkommen in Oberhavel und Hennigsdorfer Ratschlag gehandelt hat. Die vom Kirchenkreis angestellte Flüchtlingsberaterin Simone Tetzlaff, die sich im Vorfeld mit Flüchtlingen aus Syrien und dem Tschad zur Geschenk-Übergabe in ihren Privatzimmern verabredet hatte, hatte selbst als einzelne Person keinen Zugang zu deren Haus.

Weitere Informationen zu dem Geschehen gibt es auf den Seiten des Flüchtlingsrates Brandenburg und der Initiative Willkommen in Oberhavel.

Dass Besucherregelungen plötzlich durch die Landkreisverwaltung gekippt werden und Flüchtlinge vor Weihnachten Geschenke vorenthalten werden, passt zwar zu einem Landkreis, der durch die Gutscheinregelung Flüchtlingen Steine in den Weg legt, entspricht aber keinesfalls einem menschenwürdigen Umgang in einem modernen Industrieland des 21. Jahrhunderts.

Markus Hoffmann

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