Neue Einzelhandelskonzepte für ein lebendiges Oranienburg

Seit Kurzem liegen die Ergebnisse der bundesweiten Untersuchung „Vitale Innenstädte 2018“ der IFH Köln vor. Für unsere Stadt verzeichnet die Befragung, an der sich rund 400 Personen in Oranienburg beteiligt haben, nur mittelmäßige Ergebnisse. Insbesondere das Warenangebot sowie die Lebendigkeit im Allgemeinen erhielten lediglich die Note 3. Für uns Piraten ist dies ein Anlass, über neue Einzelhandelskonzepte für unsere Stadt nachzudenken.

Eine besondere Herausforderung für die gut 300 lokalen Einzelhandelsbetriebe stellt neben der Nähe zu Berlin vor allem der zunehmend größere Anteil des Onlinehandels dar. So werden insbesondere Produkte des mittel- und langfristigen Bedarfs, wie etwa Bekleidung und Schuhe, Haushaltsgeräte, Spielwaren und vor allem Unterhaltungselektronik in zunehmendem Maße über das Internet erworben. Lokale Händler haben hier oft das Nachsehen, weil sie meist nicht mit den Preisen großer Versandhändler mithalten können und ihre Angebote im Internet nicht gleichrangig neben denen der Konkurrenz präsentiert werden. Gleichzeitig besitzt der Einzelhandel unverändert wesentliche Vorteile gegenüber dem (Online-)Versandhandel. So steht für den Kunden jederzeit ein kompetenter Ansprechpartner für Beratungen zur Verfügung. Zudem kann das Produkt in der Regel vor Ort getestet, erworben und sofort mitgenommen werden. Diese Vorteile wollen wir künftig gemeinsam ausspielen – zum Wohle der gesamten Stadt.

Mit einem zentralen virtuellen Marktplatz könnte Oranienburg eine Alternative zum Online-Versandhandel bieten und zugleich den Einzelhandel in der Stadt stärken.

Unsere Idee ist ein zentraler Online-Marktplatz für den Einzelhandel in Oranienburg, ergänzend zum bereits bestehenden Geschäftsbetrieb mit Publikumsverkehr. Ähnlich der großen Plattformen im Internet sollen lokale Händler mit Ladengeschäft die Möglichkeit erhalten, ihre Produkte auf dem virtuellen Marktplatz einzustellen, zu bewerben und zu verkaufen. Für den Kunden hingegen ergibt sich der Vorteil, dass dieser mit nur wenigen Mausklicks einen Überblick erhalten kann, welche Produkte in seiner Stadt verfügbar sind. Durch eine zentrale Plattform wird der Onlineeinkauf zugleich wesentlich vereinfacht, da der Kunde die Geschäfte nicht erst recherchieren und sich auch nicht bei diversen Plattformen registrieren muss. Zugleich stehen die dann erworbenen Produkte kurzfristig zur Verfügung, da sie sofort im Laden abgeholt oder von diesem garantiert noch am gleichen Tag frei Haus geleifert werden können – eine Leistung, die selbst Online-Versandriesen derzeit bestenfalls in Großstädten zuverlässig anbieten können. Auch eine enge Vernetzung mit anderen kulturellen und touristischen Angeboten der Stadt wäre mittelfristig denkbar.

Entsprechende Konzepte wurden bereits andernorts – wie etwa im schwäbischen Günzburg mit seiner Plattform wir-in-guenzburg.de oder mit der genossenschaftlich organisierten Plattform Fairmondo – erfolgreich getestet. Ein ähnliches Angebot könnte auch in Oranienburg die städtische Holding umsetzen. Sie verfügt mit den Onlineangeboten der TURM-Erlebniscity sowie der Stadtwerke bereits über grundlegende Erfahrungen in diesem Bereich. Zudem gibt es bereits vorhandene Open-Source-Lösungen, die sich mit vertretbarem Aufwand anpassen ließen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Stadt zur erstmaligen Einrichtung der Plattform eine Anschubfinanzierung in der Größenordnung von 200.000 Euro gewährt. Der laufende Betrieb und die Weiterentwicklung der Plattform könnte anschließend durch eine geringe monatliche Grundgebühr sowie einer kleinen Provision auf die getätigten Verkäufe gewährleistet werden. Langfristig könnte sich dieses Konzept auch für die Stadt selbst als lohnende Investition erweisen. Mit einem Einzugsgebiet mit über 70.000 Einwohnern und einem Nachfragepotenzial von rund 150 Millionen Euro jährlich, bietet Oranienburg für einen solchen Modellversuch gute Voraussetzungen.* Sollte dieser gelingen und sich der Onlinehandel damit als eine wesentliche Stütze der lokalen Wirtschaft etablieren, wäre dies auch ein positiver Impuls für die Belebung des von zunehmendem Ladenleerstand geplagten Innenstadtbereichs.

* Den Zahlen zugrunde liegen die Kenndaten des Einzelhandelskonzepts der Stadt Oranienburg, wobei als realistisches Einzugsgebiet lediglich die im Norden angrenzenden Gemeinden des Mittelzentrums angesehen werden. Das genannte Nachfragepotenzial beschränkt sich auf die für den Onlinehandel besonders relevanten Produkte des mittel- und langfristigen Bedarfs.

Das könnte Dich auch interessieren …

1 Antwort

  1. 6. Februar 2019

    […] Seit Kurzem liegen die Ergebnisse der bundesweiten Untersuchung „Vitale Innenstädte 2018“ der IFH Köln vor. Für unsere Stadt verzeichnet die Befragung, an der sich rund 400 Personen in Oranienburg beteiligt haben, nur mittelmäßige Ergebnisse. Insbesondere das Warenangebot sowie die Lebendigkeit im Allgemeinen erhielten lediglich die Note 3. Für uns Piraten ist dies ein Anlass, über neue Einzelhandelskonzepte für unsere Stadt nachzudenken: Neue Einzelhandelskonzepte für ein lebendiges Oranienburg […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen